Rebellinnen

Frankreich 2018

Sandra hat die letzten 15 Jahre an der Côte d’Azur gelebt, wollte es dort als Model schaffen, brachte es aber nur zur Stangentänzerin. Dann zwang die Beziehung zu einem gewalttätigen Mann sie zur Rückkehr in ihre alten Heimat, eine reizlose Kleinstadt in der Nähe von Calais, wo sie bei ihrer Mutter unterkommt. Widerstrebend nimmt sie einen Job in einer Fabrik für Fischkonserven an und trifft auf alte Klassenkameradinnen, die ihre Rückkehr nicht ohne Gehässigkeit aufnehmen. Dass Sandra unter diesen Umständen nicht gerade vor positiver Energie sprüht, missdeutet ihr widerwärtiger Chef als Zeichen von Schwäche und begeht einen Kardinalfehler, der eine Kette drastischer Ereignisse in Gang setzt. Zum Glück stehen Sandra dabei zwei Kolleginnen, die tiefbegabte Marilyn und die resolute Nadine, zur Seite. Nach der recht geerdeten Einführung der Hauptfigur schlägt der Film einen unerwarteten Haken und schmeißt eine Tasche mit Drogengeld in den Ring. Solche Taschen kommen, wie man weiß, immer im Verbund mit einer Reihe unverbrüchlicher Genreregeln: Wer eine solche findet und behält, der oder die muss wenig später eine widerspenstige Leiche verschwinden lassen und sich mit einer Reihe skurriler Unterwelttypen auseinandersetzen. Am Ende gibt es unvermeidlich ein Mexican standoff (also eine Schießerei mit mindestens drei Parteien). Offen ist, ob unsere Working-Class-Antiheldinnen das Geld schließlich bekommen oder ob es in irgendeiner Weise vom Himmel regnen wird. rebellinnen ist aber nicht nur ein ironischer, wenn auch mitunter kruder Spaß, der an die Milieu- und Kleingangster-Komödien eines frühen Guy Ritchie oder hierzulande Peter Thorwarth erinnert, sie jedoch in einen anderen sozialen (und regionalen) Kontext stellt. Sowohl der ganz unterschiedliche Blick auf männliche Gewalt gegen Frauen und die weibliche Gegengewalt als auch die Wahl des Titels verweisen auf einen ernsteren Subtext: In der Maske eines launigen Genrestücks werden hier Themen wie Befreiung und »Empowerment« angesprochen. Insofern kann man den Film auch als provokativen Beitrag zur aktuellen Debatte um den Kampf der Geschlechter verstehen.

Regie
Allan Mauduit
Besetzung
Cécile de France Audrey Lamy Yolande Moreau Simon Abkarian Samuel Jouy
Länge
88 min